Teil eines Werkes 
1.Theil (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

☛̈ 210

tur ein für ihn beſtimmtes Weſen, ein We⸗ ſen ſeiner heißen Sehnſucht würdig, abfordern.

Eines Abends ſaß Guſtav an dem Grabe ſeiner Mutter; die Luft war den ganzen Tag über brennend geweſen; jetzt wehete ein leiſer Abendwind ſanfte Kühlung herunter. Der Himmel war rein und ruhig, der Mond ſchwamm an dem tiefblauen dunklen Gewölbe, und verbrei⸗ tete ſtill umher ſein ſilberweißes Licht. Der Duft der Blumen, noch ſtärker beim Anbruch der Nacht, füllte die Atmoſphäre mit ſüßberau⸗ ſchenden Ergüſſen; nie hatte das Herz des Jüng⸗ lings ſo ſehnſuchtsvoll geſchlagen; nie hatte er ſich ſo allein empfunden; er flüchtete ſich in die Vergangenheit, die Liebkoſungen ſeiner Mutter, ihre zarte Sorgfalt, ihre milden Schmeichel⸗ worte, der Stolz, der in ihrem Auge brannte, wenn es auf ihm ruhete, ſchwebten ihm vor, lebendiger als je. Ihr Geiſt, ihre mütterliche Liebe, ſprachen ſich ſo ganz in ihren letzten Worten aus: ſie hatte um ihres Sohnes willen gern leben wollen! Ach! war