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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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75 und ihren ſchönen Wuchs nicht verloren. Beide gingen ziemlich bunt gekleidet, und ihr ganzer An⸗ ſtand war wie ſonſt, alſo vierzehn Jahre jünger als ſie ſelbſt. Tereſina ſang auf meine Bitte einige der ernſten Lieder, die mich ſonſt tief ergriffen hatten, aber es war mir, als hätten ſie anders in meinem Innern wieder geklungen und ſo war auch Lauretta's Geſang, hatte ihre Stimme auch weder an Stärke und Höhe zu merklich verloren, ganz von dem ver⸗ ſchieden, der als der ihrige in meinem Innern lebte. Schon dieſes Aufdringen der Vergleichung einer innern Idee, mit der nicht eben erfreulichen Wirklichkeit, mußte mich noch mehr verſtimmen, als es das Betragen der Schweſtern gegen mich, ihre erheuchelte Extaſe, ihre unzarte Bewunder⸗ ung, die doch ſich wie gnädige Protektion geſtaltete, ſchon vorher gethan. Der drollige Abbate, der mit aller nur erdenklichen Süßigkeit den Amoroſo von beiden Schweſtern machte, der gute Wein reich⸗ lich genoſſen, gaben mir endlich meinen Humor wieder, ſo daß der Abend recht froh in heller Ge müthlichkeit verging. Auf das eifrichſte luden mich die Schweſtern zu ſich ein, um gleich mit ihnen das nöthige über die Parthien zu verabreden, die ich für ſie ſetzen ſollte. Ich verließ Rom ohne ſie weiter aufzuſuchen.

Und doch, ſprach Eduard:haſt Du ihnen das Erwachen Deines innern Geſanges zu verdanken. Allerdings, erwiederte Theodor,und eine Menge

uter Melodien dazu, aber eben deshalb hätte ich ie nie wiederſehen ſollen. Jeder Komponiſt erinnert ſich wohl eines mächtigen Eindrucks, den die Zeit nicht vernichtet. Der im Ton lebende Geiſt ſprach, und das war das Schöpfungswort, welches urplötz⸗ lich den ihm verwandten, im Innern ruhenden