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mir auch in einer Anfoſſiſchen Arie ein ganz gleicher Unfall begegnet, wie heute ihm. Ich drängte mein ganzes Beiſamenſeyn mit den Schweſtern in die tragikomiſche Szene hinein, und ließ, kräftige Seitenhiebe austheilend, die Schweſtern das Ueber⸗ gewicht fühlen, das die, an mancher Lebens⸗ und Kunſterfahrung reichen Jahre, mir über ſie gegeben hatten. Und gut war es doch, daß ich hineinſchlug in die Fermate, denn das Ding war angelegt auf ewige Zeiten, und ich glaube, ließ ich die Sänge⸗ rin gewähren, ſo ſäß' ich noch am Flügel.“„Doch Signor,“ erwiederte der Abbate:„welcher Maeſtro darf ſich anmaßen, der Pirma donna Geſetze zu geben, und dann war ihr Vergehen viel größer als das meinige, im Konzertſaal, und hier in der Laube— eigentlich war ich nur Maeſtro in der Idee, niemand durfte was darauf geben— und hätte mich dieſer himmliſchen Augen ſüßer Feuer⸗ blick nicht bethört ſo wär' ich ein Eſel geweſen.“ Des Abbate letzte Worte waren heilbringend, denn Lauretta, deren Augen während der Abbate ſprach, wieder zornig zu funkeln anfingen, wurde dadurch ganz beſänuftigt.
Wir blieben den Abend über beiſammen. Vier⸗ zeyn Jahre, ſo lange war es her, als ich mich von den Schweſtern trennte, ändern viel. Lauretta hatte ziemlich gealtert, indeſſen war ſie noch jetzt nicht ohne Reiz. Tereſina hatte ſich beſſer erhalten


