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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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und es ſiel mir ein, wie behaglich es ſein müße, mir von dem niedlichen Kinde einen Trunk edeln Weins reichen zu laſſen. Ich hielt vor der Haus⸗ thüre, in dem von glühenden Streiflichtern durch⸗ glänzten Laubgange. Mir ſchallten aus der Ferne Geſang und Chitaratöne entgegen. Ich horchte hoch auf, denn die beiden weiblichen Stimmen wirkten ganz ſonderbar auf mich, ſeltſam gingen dunkle Erinnerungen in mir auf, die ſich nicht ge⸗ ſtalten wollten. Ich ſtieg vom Pferde und näherte mich langſam und auf jeden Ton lauſchend der Wein⸗ laube, aus der die Muſik zu ertönen ſchien. Die zweite Stimme hatte geſchwiegen, die erſte ſang allein eine Kanzonetta. Je näher ich kam, de⸗ ſto mehr verlor ſich das Bekannte, das mich erſt ſo angeregt hatte. Die Sängerin war in einer bunten krauſen Fermate begriffen. Das wirbelte auf und ab auf und ab endlich hielt ſie einen langen Ton aber nun brach eine weibliche Stimme plötzlich in ein tolles Zanken aus Verwünſchun⸗ gen, Flüche, Schimpfreden! Ein Mann prote⸗ ſtirt, ein anderer lacht. Eine zweite weibliche Stimme miſcht ſich in den Streit. Immer toller und toller brauſt der Zank mit aller italiäniſchen Rabbia! Endlich ſtehe ich dicht vor der Laube, ein Abbate ſtürzt heraus und rennt mich beinahe über den Haufen, er ſieht ſich nach mir um, ich er⸗ kenne meinen guten Signor Ludovico, meinen muſi⸗ kaliſchen Neuigkeitsträger aus Rom!Was um