70 That, wie ein höheres Weſen vor. Daß ſolche Momente tief in's Leben greifen, und urplötzlich manches eine Form gewinnt, die die Zeit nicht verdüſtert, iſt nur zu wahr. Iſt mir jemals eine kecke Romanze gelungen, ſo trat gewiß in dem Augenblick des Schaffens Tereſina's Bild recht klar und farbigt aus meinem Innern hervor.“
„»Doch,“ ſprach Eduard,„laß uns auch die kunſt⸗ reiche Lauretta nicht vergeſſen, und gleich, allen Groll bei Seite geſetzt, auf das Wohl beider Schwe⸗ ſtern anſtoßen.“— Es geſchah!—„Ach“ ſprach Theodor:„wie wehen doch aus dieſem Wein die holden Düfte Italiens mich an— wie glüht mir doch friſches Leben durch Nerven und Adern!— Ach warum mußte ich doch das herrliche Land ſo ſchnell wieder verlaſſen!“«„Aber“ fiel Eduard ein: „noch fand ich in Allem, was Du erzählteſt, keinen Zuſammenhang mit dem Hummelſchen Bilde, und ſo, glaube ich, haſt Du noch mehr von den Schwe⸗ ſtern zu ſagen. Wohl merke ich, daß die Damen auf dem Bilde keine anderen ſind, als eben Lauretta und Tereſina ſelbſt.“„So iſt es in der That,“ er⸗ wiederte Theodor:„und meine ſehnſüchtigen Stoß⸗ ſeufzer nach dem herrlichen Lande leiten ſehr gut das ein, was ich noch zu erzählen habe. Kurz vor⸗ her, als ich vor zwei Jahren Rom verlaſſen wollte, machte ich zu Pferde einen kleinen Abſtecher. Vor einer Lokanda ſtand ein recht freundliches Mädchen,


