67 entgegen, ich bekämpfte ihre Unarten, ich bewies ihr, daß ohne Energie keine Begleitung denkbar ſey, daß Tragen des Geſanges ſich merklich unter⸗ ſcheide von taktloſer Zerfloſſenheit. Tereſina anter⸗ ſtützte mich treulich. Ich komponirte nur Kirchen⸗ ſachen und gab alle Soli der tiefen Stimme. Auch Tereſina hofmeiſterte mich nicht wenig, ich ließ es mir gefallen, denn ſie hatte mehr Kenntniß und (ſo glaubte ich) mehr Sinn für deutſchen Ernſt als Lauretta.
Wir durchzogen das ſüdliche Deutſchland. In einer kleinen Stadt trafen wir auf einen italiäni⸗ chen Tenor, der von Mailand nach Berlin wollte. Meine Damen waren entzückt über den Landsmann; er trennte ſich nicht von ihnen, vorzüglich hielt er ſich an Tereſina, und zu meinem nicht geringen Aerger ſpielte ich eine ziemlich untergeordnete Rolle. Einſt wollte ich mit einer Partitur unter dem Arm gerade ins Zimmer treten, als ich drin⸗ nen ein lebhaftes Geſpräch zwiſchen meinen Damen und dem Tenor vernahm. Mein Name wurde ge⸗ nannt— ich ſtutzte, ich horchte. Das Italiäuiſche verſtand ich jetzt ſo gut, daß mir kein Wort ent⸗ ging. Lauretta erzählte eben den tragiſchen Vor⸗ fall im Konzert, wie ich ihr durch unzeitiges Nie⸗ derſchlagen den Triller abgeſchnitten.„Asino te- desco,“ rief der Tenor— es war mir zu Muthe, als müßte ich hinein, und den luftigen Theaterhel⸗


