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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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denke an Tereſina, die Dich ſo gern hat, weil Du nach Deiner eigentlichen Art und Weiſe eben mein Maeſtro und Compoſitore werden wirſt. Nimm mir's nicht übel! Alle Deine zierlichen Kanzonet⸗ ten und Arien ſind gar nichts werth gegen das ein⸗ zige. Tereſina ſang mit ihrer ſonoren vollen Stimme einen einfachen kirchenmäßigen Kanzone, den ich vor wenigen Tagen geſetzt. Nie hatte ich geahnt, daß das ſo klingen könnte. Die Töne dran⸗ gen mit wunderbarer Gewalt in mich hinein, die Thränen ſtanden mir in den Augen vor Luſt und Entzücken, ich ergriff Tereſina's Hand, ich drückte ſie tauſend Mal an den Mund, ich ſchwur, mich niemals von ihr zu trennen. Lauretta ſah mein Verhältniß mit Tereſina mit neidiſchem verbiſſenem Aerger an, indeſſen ſie bedurfte meiner, denn trotz ihrer Kunſt war ſie nicht im Stande, Neues ohne Hülfe einzuſtudiren, ſie las ſchlecht und war auch nicht taktfeſt. Tereſina las alles vom Blatt, und daneben war ihr Taktgefühl ohne Gleichen. Nie ließ Lauretta ihren Eigenſinn und ihre Heftigkeit mehr aus als beim Accompagniren. Nie war ihr die Begleitung recht ſie behandelte das als ein nothwendiges Uebel man ſollte den Flügel gar nicht hören, immer pianissimo immer nachgeben und nachgeben jeder Takt anders, ſo wie es in ihrem Kopfe ſich nun gerade geſtaltet hatte im Mo⸗ ment. Jetzt ſetzte ich mich ihr mit feſtem Sinn