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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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65 ger in ihrer Geſellſchaft nicht bleiben könne.Alſo die tolle Aufführung einer Närrin,« ſprach Tere⸗ ſina,die ſie ſchon herzlich bereut, treibt Dich fort? Kannſt Du denn aber beſſer leben in Deiner Kunſt, als bei uns? Nur auf Dich kommt es ja an, durch Dein Betragen Lauretta von ähnlichem Beginnen abzuhalten. Du biſt zu nachgiebig, zu ſüß, zu ſanft. Ueberhaupt ſchlägſt Du Lauretta's Kunſt zu hoch an. Sie hat keine üble Stimme und viel Umfang, das iſt wahr, aber alle dieſe ſonderbaren wirblich⸗ ten Schnörkel, die ungemeſſenen Läufe, dieſe ewi⸗ gen Triller, was ſind ſie anders, als blendende Kunſtſtückchen, die ſo bewundert werden, wie die waghalſigen Sprünge des Seiltänzers? Kann denn ſo etwas tief in uns eindringen und das Herz rüh⸗ ren? Den Harmonika⸗Triller, den Du verdorben, kann ich nun gar nicht leiden, es wird mir ängſt⸗ lich und weh dabei. Und dann dies hoch hinauf Klettern in die Region der drei Striche, iſt das nicht ein erzwungenes Ueberſteigen der natürlichen Stimme, die doch nur allein wahrhaft rührend bleibt? Ich lobe mir die Mittel⸗ und die tiefen Töne. Ein in das Herz dringender Laut, ein wahrhaftes Por- tamento di voce geht mir über alles. Keine un⸗ nütze Verzierung, ein feſt und ſtark gehaltener Ton ein beſtimmter Ausdruck, der Seele und Ge⸗ müth erfaßt, das iſt der wahre Geſang und ſo ſinge ich. Magſt Du Lauretta nicht mehr leiden, ſo

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