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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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65 zem Roß mit der Lyra, wie die Kunſt ſelbſt in küh⸗ ner Romantik unwillkührlich ſchreib' ich manch' hohes ernſtes Lied! Es iſt wahr, Lauretta ſpielt mit den Tönen, wie eine launiſche Feenkönigin. Was darf ſie wagen, das ihr nicht glücke? Tere⸗ ſina bringt keine Roulade heraus ein ſimpler Vorſchlag, ein Mordent höchſtens, aber ihr langge⸗ haltener Ton leuchtet durch den finſtern Nachtgrund und wunderbare Geiſter werden wach und ſchauen mit ernſten Augen tief hinein in die Bruſt. Ich weiß nicht, wie ich ſo lange dafür verſchloſſen ſeyn konnte.

Das den Schweſtern bewilligte Benefiz⸗Konzert war herangekommen, Lauretta ſang mit mir eine lange Szene von Anfoſſi. Ich ſaß wie gewöhnlich am Flügel. Die letzte Fermate trat ein. Lauretta bot alle ihre Kunſt auf, Nachtigalltöne wirbelten auf und ab aushaltende Noten dann bunte krauſe Rouladen, ein ganzes Solfeggio! In der That ſchien mir das Ding diesmal beinahe zu lang, ich fühlte einen leiſen Hauch; Tereſina ſtand hinter mir. In demſelben Augenblick holte Lauretta aus, zum anſchwellenden Harmonika⸗Triller, mit ihm wollte ſie in das a Tempo hinein. Der Satan regierte mich, nieder ſchlug ich mit beiden Händen den Akkord, das Orcheſter folgte, geſchehen war es um Lauretta's Triller, um den höchſten Moment, der alles in Staunen ſetzen ſollte. Lauretta, mit