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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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Romanzen, volle Akkorde dazu greifend. Ihr hel⸗ les ſeidenes Kleid flatterte, im ſchimmernden Fal⸗ tenwurf ſpielend, und wie in den Tönen koſende Luftgeiſter, nickten und wehten die weißen Federn auf ihrem Hute. Die ganze Erſcheinung war hoch romantiſch, ich konnte kein Auge von Tereſina wen⸗ den, unerachtet Lauretta ſie eine phantaſtiſche När⸗ rin ſchalt, der die Keckheit übel bekommen würde. Es ging aber glücklich, das Pferd hatte allen Starr⸗ ſinn verloren, oder es war ihm die Sängerin lieber als der Paladin, kurz erſt vor den Thoren der Reſidenz, kroch Tereſina wieder ins Wagengehäuſe hinein.

Sieh mich jetzt in Konzerten und Opern, in al⸗ ler möglichen Muſik ſchwelgen ſieh mich als fleißigen Correpetitore am Flügel, Arien, Duetten, und was weiß ich ſonſt einſtudiren. Du merkſt es dem ganz veränderten Weſen an, daß ein wun⸗ derbarer Geiſt mich durchdringt. Alle kleinſtädti⸗ ſche Scheu iſt abgeworfen, wie ein Maeſtro ſitze ich am Flügel vor der Partitur, die Szenen meiner Donna dirigirend. Mein ganzer Sinn meine Gedanken ſind ſüße Melodie. Ich ſchreibe unbe⸗ kümmert um kontrapunktiſche Künſte, allerlei Kan⸗ zonetten und Arien, die Lauretta ſingt, wie wohl nur im Zimmer. Warum will ſie nie etwas von mir im Konzert ſingen? Ich begreife es nicht! Aber Tereſina erſcheint mir zuweilen auf ſtol⸗

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