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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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abgeſchleudert auf dem Boden. Das Pferd blieb ruhig ſtehen, und ſchaute mich mit lang vorgereck⸗ tem Halſe ordentlich verhöhnend an. Ich vermochte nicht aufzuſtehen, der Kutſcher eilte mir zu helfen, Lauretta war herausgeſprungen und weinte und ſchrie, Tereſina lachte unaufhörlich. Ich hatte mir den Fuß verſtaucht und konnte nicht wieder auf's Pferd. Wie ſollte ich fort? Das Pferd wurde an den Wagen gebunden, in den ich hineinkriechen mußte. Denke Dir zwei ziemlich robuſte Frauen⸗ zimmer, eine dicke Magd, zwei Möpſe, ein Dutzend Kiſten, Schachteln und Körbe, und nun noch mich dazu in einem kleinen zweiſitzigen Wagen zuſam⸗ mengepackt. Denke Dir Lauretta's Jammern über den unbequemem Sitz das Heulen der Möpſe das Geſchnatter der Neapolitanerin Tereſi⸗ na's Schmollen meinen unſäglichen Schmerz am Fuße, und Du wirſt das Anmuthige meiner Lage ganz empfinden. Tereſina konnte es, wie ſie ſagte, nicht länger aushalten. Man hielt, mit einem Satz war ſie aus dem Wagen heraus. Sie band mein Pferd los, ſetzte ſich quer über den Sattel und krabte und kourbettirte vor uns her. Geſte⸗ hen mußte ich, daß ſie ſich gar herrlich ausnahm. Die ihr in Gang und Stellung eigene Hoheit und Grazie zeigte ſich noch mehr auf dem Pferde. Sie ließ ſich die Chitarra hinausreichen, und, die Zügel um den Arm geſchlungen, ſang ſie ſtolz ſpaniſche VIII. 6