58 nur ſie hatte mir ja die wahre Muſik erſchloſſen. Ich fing an das Italiäniſche zu ſtudiren und mich in Kanzonetten zu verſuchen. Wie ſchwebte ich im höchſten Himmel, wenn Lauretta meine Compoſition ſang und ſie gar lobte! Oft war es mir, als habe ich das gar nicht gedacht und geſetzt, ſondern in Lauretta's Geſange ſtrahlte erſt der Gedanke her⸗ vor. An Tereſina konnte ich mich nicht recht ge⸗ wöhnen, ſie ſang nur ſelten, ſchien nicht viel auf mein ganzes Treiben zu geben und zuweilen war es mir ſogar, als lache ſie mich hinterrücks aus. Endlich kam die Zeit der Abreiſe heran. Nun erſt fühlte ich, was mir Lauretta geworden und die Unmöglichkeit mich von ihr zu trennen. Oft, wenn ſie recht smorfiosa geweſen, liebkoſte ſie mich, wie wohl auf ganz unverfängliche Weiſe, aber mein Blut kocht auf und nur die ſeltſame Kälte, die ſie mir entgegen zu ſetzen wußte, hielt mich ab, hell auſtodernd in toller Liebeswuth ſie in meine Arme zu faſſen.— Ich hatte einen leidlichen Tenor, den ich zwar nie geübt, der ſich aber jetzt ſchnell ausbildete. Häufig ſang ich mit Lauretta jene zärtliche italiäniſche Duettini, deren Zahl un⸗ endlich iſt. Eben ein ſolches Duett ſangen wir, die Abreiſe war nahe—„senza di te ben mio, vivere non poss'io— Wer vermochte das zu ertragen! — Ich ſtürzte zu Lauretta's Füßen— ich war in Verzweiflung! Sie hob mich auf„aber mein Freund!
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