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dürfen wir uns denn trennen 2— Ich horchte voll Erſtaunen hoch auf. Sie ſchlug mir vor, mit ihr und Tereſina nach der Reſidenz zu gehen, denn aus dem Städtchen heraus müßte ich doch ein Mal, wenn ich mich der Muſik ganz widmen wolle.
Denke Dir einen, der in den ſchwärzeſten bodenloſen Abgrund ſtürzt, er verzweifelt am Leben, aber in dem Angenblick, wo er den Schlag, der ihn zer⸗ ſchmettert, zu empfinden glaubte, ſitzt er in einer herrlichen hellen Roſenlaube und hundert bunte Lichterchen umhüpfen ihn und rufen: Liebſter bis dato leben ſie noch!— So war mir jetzt zu Muthe. Mit nach der Reſidenz! das ſtand feſt in meiner Seele!— Nicht ermüden will ich Dich damit, wie ich es anfing dem Onkel zu beweiſen, daß ich nun durchaus nach der ohnehin nicht ſehr entfernten Reſi⸗ denz müßte. Er gab endlich nach, verſprach ſogar mitzureiſen. Welch ein Strich durch die Rechnung!
— Meine Abſicht mit den Sängerinnen zu reiſen, durfte ich ja nicht laut werden laſſen. Ein tüchtiger Katarrh, der den Onkel befiel, rettete mich. Mit der Poſt fuhr ich von dannen, aber nur bis auf die nächſte Station, wo ich blieb, um meine Göttin zu erwarten. Ein wohlgeſpickter Beutel ſetzte mich in den Stand, alles gehörig vorzubereiten. Recht romantiſch wollte ich die Damen, wie ein beſchützen⸗ der Paladin zu Pferde begleiten: ich wußte mir einen nicht beſonders ſchönen, aber nach der Ver⸗


