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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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hatte ich den Geſang begleitet oder gar ein Orche⸗ ſter dirigirt. Tereſina ſetzte ſich mir zur Seite an den Flügel und gab mir jedes Tempo an, ich be⸗ kam ein aufmunterndes Bravo nach dem andern von Lauretta, das Orcheſter fügte ſich, es ging immer beſſer. In der zweiten Probe wurde alles klar und die Wirkung des Geſanges der Schweſtern im Konzerte war unbeſchreiblich. Es ſollten in der Reſidenz bei der Rückkunft des Fürſten viele Feier⸗ lichkeiten ſtatt finden, die Schweſtern waren hinüber⸗ berufen, um auf dem Theater und im Konzerte zu ſingen; bis zur Zeit, wenn ihre Gegenwart noth⸗ wendig, hatten ſie ſich entſchloſſen, in unſerm Städtchen zu verweilen, und ſo kam es denn, daß ſie noch ein paar Konzerte gaben. Die Bewunde⸗ rung des Publikums ging über in eine Art Wahn⸗ ſinn. Nur die alte Meibel nahm bedächtig eine Priſe aus dem Porzelan⸗Mops und meinte: ſolch impertinentes Geſchrei ſey kein Geſang, man müſſe hübſch duſe ſingen. Mein Organiſt ließ ſich gar nicht mehr ſehen, und ich vermißte ihn auch nicht. Ich war der glückſeligſte Menſch auf Erden! Den ganzen Tag ſaß ich bei den Schweſtern, akkom⸗ pagnirte und ſchrieb die Stimmen aus den Partitu⸗ ren zum Gebrauch in der Reſidenz. Lauretta war mein Idael, alle böſen Launen, die entſetzlich auf⸗ brauſende Heftigkeit die virtuoſiſche Quälerei am Flügel alles ertrug ich mit Geduld! Sie,