55 ſen. Lauretta, anſcheinend die ältere, mit ſtrah⸗ lenden Augen umherblitzend, ſprach mit überwallen⸗ der Lebhaftigkeit und heftiger Geſtikulation auf den ganz verlegenen Onkel hinein. Nicht eben zu groß, war ſie üppig gebaut, und mein Auge verlor ſich in manchen mir noch fremden Reizen. Tereſina, größer, ſchlanker, länglichen ernſten Geſichts, ſprach nur wenig, indeſſen verſtaͤndlicher dazwiſchen. Dann und wann lächelte ſie ganz ſeltſam, es war beinahe als ergötze ſie ſehr der gute Onkel, der ſich in ſei⸗ nen ſeidenen Schlafrock wie in ein Gehäuſe einzog, und vergebens ſuchte, ein verrätheriſches gelbes Band zu verſtecken, womit die Nachtjacke zugebun⸗ den, und das immer wieder ellenlang aus dem Bu⸗ ſen hervorwedelte. Endlich ſtanden ſie auf, der On⸗ kel verſprach für den dritten Tag das Konzert an⸗ zuordnen, und wurde ſammt mir, den er als einen jungen Virtuoſen vorgeſtellt, höflichſt auf Nachmit⸗ tag zur Ciocolata von den Schweſtern eingeladen.
Wir ſtiegen ganz feierlich und ſchwer die Treppen hinan, es war uns beiden ganz ſeltſam zu Muthe, als ſoctten wir irgend ein Abentheuer beſtehen, dem wir nicht gewachſen. Nachdem der Onkel gehörig dazu vorbereitet, über die Kunſt viel ſchönes ge⸗ ſprochen, welches niemand verſtand, weder er, noch wir andern, nachdem ich mit der brühheißen Cho⸗ kolade mir zwei Mal die Zunge verſengt, aber ein Skävola an ſtoiſchem Gleichmuth, gelächelt hatte
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