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als der Kellner aus unſerm vornehmſten Gaſthauſe ins Zimmer trat, zwei ausländiſche eben gekommene Damen ankündigend. Noch ehe der Onkel den groß⸗ geblümten Schlafrock abwerfen und ſich ankleiden konnte, traten die Gemeldeten ſchon hinein.—
Du weißt, wie jede fremde Erſcheinung auf den, in kleinſtädtiſcher BeengtheitErzogenen, elektriſch wirkt; — zumahl dieſe, welche ſo unerwartet in mein Le⸗ ben trat, war ganz dazu geeignet, mich wie ein Zauberſchlag zu treffen. Denke Dir zwei ſchlanke hochgewachſene Italiänerinnen, nach der letzten Mode phantaſtiſch bunt gekleidet, recht virtuoſiſch keck und doch gar anmuthig auf meinen Onkel zuſchrei⸗ tend und auf ihn hineinredend mit ſtarker aber wohltönender Stimme.— Was ſprechen ſie denn für eine ſonderbare Sprache?— nur zuweilen klingt es beinahe wie deutſch!— Der Onkel verſteht kein Wort— verlegen zurücktretend— ganz verſtummt zeigt er nach dem Sopha. Sie nehmen Platz— ſie reden unter einander, das tönt wie lauter Mu⸗ ſik.— Endlich verſtändigen ſie ſich dem Onkel, es ſind reiſende Saͤngerinnen, ſie wollen Konzert geben am Orte und wenden ſich an ihn, der ſolche muſi⸗ kaliſche Operationen einzuleiten vermag.
Wie ſie mit einander ſprachen, hatte ich ihre Vornamen herausgehorcht, und es war mir, als könne ich, da zuvor mich die Doppelerſcheinung ver⸗ wirrt, jetzt beſſer und deutlicher jede einzeln erfaſ⸗


