Druckschrift 
Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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51 baren Kopfputz, an deſſen Vorderſeite ein Straus von italiäniſchen Porzellain⸗Blumen befeſtigt war, der, indem ſie ſang, ſeltſam zitterte und nickte. Wenn ſie geendigt und die Geſellſchaft nicht we⸗ nig applaudirt hatte, gab ſie ihre Parthie mit ſtol⸗ zem Blick meinem Lehrer, dem es vergönnt war, in die kleine Porzellain⸗Doſe zu greifen, die einen Mops vorſtellte, und die ſie hervorgezogen, um dar⸗ aus mit vieler Behaglichkeit Tabak zu nehmen. Sie hatte eine garſtige quäkende Stimme, machte allerlei ſkurrile Schnörkel und Colloraturen, und Du kannſt denken, wie dies, verbunden mit dem lächerlichen Eindruck ihrer äußeren Erſcheinung auf mich wirken mußte. Mein Onkel ergoß ſich in Lobeserhebungen, ich konnte das nicht begreifen, und gab mich um ſo eher meinem Organiſten hin, der, überhaupt ein Verächter des Geſanges, in ſei⸗ ner hypochondriſchen boshaften Laune, die alte poſſirliche Demoiſelle gar ergötzlich zu parodiren wußte.

Je lebhafter ich jene Verachtung des Geſanges mit meinem Lehrer theilte, deſto höher ſchlug er mein muſikaliſches Genie an. Mit dem größeſten Eifer unterrichtete er mich im Contrapunkt und bald ſetzte ich die künſtlichſten Fugen und Tokkaten. Eben ſolch ein künſtliches Stück von meiner Ar⸗ beit ſpielte ich einſt an meinem Geburtstage,(neun⸗ zehn Jahr war ich alt worden) dem Onkel vor,