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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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und Verehrer der Tonkunſt, ſehr. Er gedachte noch mit Entzücken der älteren Zeit, als die vier Kantoren der vier Kirchen des Orts ſich verbanden zur Auffüh⸗ rung von: Lottchen am Hofe, im Konzertſaal. Vor⸗ züglich pflegte er die Toleranz zu rühmen, womit die Sänger ſich zum Kunſtwerk vereinigt, da außer der katholiſchen und evangeliſchen noch die refor⸗ mirte Gemeinde ſich in zwei Zungen, die deutſche und franzöſiſche, ſpaltete, der franzöſiſche Kantor ließ ſich das Lottchen nicht nehmen, und trug, wie der Onkel verſicherte, brillbewaffnet die Parthie mit dem anmuthigſten Falſet vor, das jemals aus einer menſchlichen Kehle herauspfiff. Nun verzehrte aber bei uns(am Orte, mein' ich) eine fünf und fünfzigjährige Demoiſelle, Namens Meibel, die karge Penſion, welche ſie als jubilirte Hofſängerin aus der Reſidenz erhielt, und mein Onkel meinte rich⸗ tig, die Meibel könne für das Geld noch wirklich was weniges jubiliren im Konzerte. Sie that vor⸗ nehm, und ließ ſich lange bitten, doch endlich gab ſie nach, und ſo kam es im Konzerte auch zu Bra⸗ vour⸗Arien. Es war eine wunderliche Perſon, die Demoiſelle Meibel. Ich habe die kleine hagere Geſtalt noch lebhaft in Gedanken. Sehr feierlich und ernſt pflegte ſie mit ihrer Parthie in der Hand in einem buntſtoffnen Kleide vorzutreten, und mit einer ſanften Beugung des Oberleibes die Verſom i⸗ lung zu begrüßen. Sie trug einen ganz ſonder⸗