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Organiſten, der war aber ein todter Rechenmeiſter, und quälte mich ſehr mit finſtern übelklingenden Tokkaten und Fugen. Ohne mich dadurch abſchrecken zu laſſen, hielt ich treulich aus. Manchmal ſchalt der Alte gar ärgerlich, aber er durfte nur wieder ein Mal einen wackern Satz in ſeiner ſtarken Ma⸗ nier ſpielen, und verſöhnt war ich mit ihm und der Kunſt. Ganz wunderbar wurde mir dann oft zu Muthe, mancher Satz vorzüglich von dem al⸗ ten Sebaſtian Bach glich beinahe einer geiſterhaften graulichen Erzählung, und mich erfaßten die Schauer, denen man ſich ſo gern hingiebt in der phantaſtiſchen Jugendzeit. Ein ganzes Eden er⸗ ſchloß ſich mir aber, wenn, wie es im Winter zu geſchehen pflegte, der Stadtpfeifer mit ſeinen Ge⸗ ſellen, unterſtützt von ein paar ſchwächlichen Dilet⸗ tanten, ein Konzert gab, und ich in der Sympho⸗ nie die Pauken ſchlug, welches mir vergönnt wurde, wegen meines richtigen Takts. Wie lächerlich und toll dieſe Konzerte oft waren, habe ich erſt ſpäter eingeſehen. Gewöhnlich ſpielte mein Lehrer zwei Flügel⸗Konzerte von Wolff oder Emanuel Bach, ein Kunſtpfeifer⸗Geſell quälte ſich mit Stamitz, und der Acciſe⸗Einnehmer blies auf der Flöte ge⸗ waltig und übernahm ſich im Athem ſo, daß er beide Lichter am Pult ausbließ, die immer wieder angezündet werden mußten. An Geſang war nicht zu den ken, das tadelte mein Onkel, ein großer Freund
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