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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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41 die ſie in ſolch hoher Vollkommenheit geübt, ganz zu entſagen. Als der Rath jene wunderbare Geige⸗ die er mit Antonien begrub, gekauft hatte und zer⸗

legen wollte, blickte ihn Antonie ſehr wehmüthig

an, und ſprach leiſe bittend:Auch dieſe? Der Rath wußte ſelbſt nicht, welche unbekannte Macht ihn nöthigte, die Geige unzerſchnitten zu laſſen, und darauf zu ſpielen. Kaum hatte er die erſten Töne angeſtrichen, als Antonie laut und freu⸗ dig rief:Ach das bin ich ja ich ſinge ja wie⸗ der. Wirklich hatten die ntberhellen Glockentöne des Inſtruments etwas ganz eigenes wundervolles, ſie ſchienen in der menſchlichen Bruſt erzeugt. Kres⸗ pel wurde bis in das Innerſte gerührt, er ſpielte wohl herrlicher als jemals, und wenn er in kühnen Gängen mit voller Kraft, mit tiefem Ausdruck auf⸗ und niederſtieg, dann ſchlug Antonie die Hände zu⸗ ſammen, und rief entzückt:Ach das hab' ich gut gemacht, das hab' ich gut gemacht! Seit die⸗ ſer Zeit kam eine große Ruhe und Heiterkeit in ihr Leben. Oft ſprach ſie zum Rath:Ich möchte wohl etwas ſingen, Vater! Dann nahm Krespel die Geige von der Wand, und ſpielte Antonieu's ſchönſte Lieder, ſie war recht aus dem Herzen froh. Kurz vor meiner Ankunft war es in einer Nacht dem Rath ſo, als höre er im Nebenzimmer auf ſei⸗ nem Pianoforte ſpielen, und bald unterſchied er deutlich, daß B... nach gewöhnlicher Art prälu⸗

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