Druckschrift 
Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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nem ſolchen ſtürmiſchen Auftritt war Krespel auf Angela's Landhaus geflohen, und vergaß, auf ſei⸗ ner Cremoneſer Geige phantaſirend, die Leiden des Tages. Doch nicht lange dauerte es, als Signora, die dem Rath ſchnell nachgefahren, in den Saal trat. Sie war gerade in der Laune, die Zärtliche zu ſpielen, ſte umarmte den Rath mit ſüßen ſchmach⸗ tenden Blicken, ſie legte das Köpfchen auf ſeine Schulter. Aber der Rath, in die Welt ſeiner Ak⸗ korde verſtiegen, geigte fort, daß die Wände wie⸗ derhallten, und es begab ſich, daß er mit Arm und Bogen die Signora etwas unſanft berührte. Die ſprang aber voller Furie zurück,bestia tedesca ſchrie ſie auf, riß dem Rath die Geige aus der Hand, und zerſchlug ſie an dem Marmortiſch in tauſend Stücke. Der Rath blieb erſtarrt zur Bild⸗ fäute vor ihr ſtehen, dann aber, wie aus dem Traume erwacht, faßte er die Signora mit Rieſenſtärke, warf ſie durch das Fenſter ihres eigenen Luſthauſes, und ſtoh, ohne ſich weiter um etwas zu bekümmern, nach Venedig nach Deutſchland zurück. Erſt nach einiger Zeit wurde es ihm recht deutlich, was er gethan. Obſchon er wußte, daß die Höhe des Feuſters vom Boden kaum fünf Fuß betrug, und ihm die Nothwendigkeit, Signora bei obbenannten Umſtänden durch's Fenſter zu werfen, ganz einleuch⸗ tete; ſo fühlte er ſich doch von peinlicher Unruhe gequält, um ſo mehr, da Signora ihm nicht un⸗