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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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deutlich zu verſtehen gegeben, daß ſie guter Hoff⸗ nung ſei. Er wagte kaum Erkundigungen einzu⸗ ziehen, und nicht wenig überraſchte es ihn, als er nach ungefähr acht Monaten einen gar zärtlichen Brief von der geliebten Gattin erhielt, worin ſie jenes Vorganges im Landhauſe mit keiner Sylbe erwähnte, und der Nachricht, daß ſie von einem herzallerliebſtrn Töchterchen entbunden, die herz⸗ lichſte Bitte hinzufügte, daß der Marito amato e padre felicissimo doch nur gleich nach Venedig kommen möge. Das that Krespel nicht, erkundigte ſich vielmehr bei einem vertrauten Freunde nach den näheren Umſtänden, und erfuhr, daß Signora damals leicht wie ein Vogel in das weiche Gras

herabgeſunken ſey, und der Fall oder Sturz durch⸗

aus keine andere als pſychiſche Folgen gehabt habe. Signora ſey nämlich nach Krespels heroiſcher That wie umgewandelt; von Launen, närriſchen Einfäl⸗ len, von irgend einer Quälerei ließe ſie durchaus nichts mehr verſpüren, und der Maeſtro, der für das nächſte Carneval componirt, ſey der glücklichſte Menſch unter der Sonne, weil Signora ſeine Arien ohne hunderttauſend Adänderungen, die er ſich ſonſt gefallen laſſen müſſen, ſingen wolle. Uebrigens habe man alle Urfache, meinte der Freund, es ſorgfältig zu verſchweigen, wie Angela kurirt wor⸗ den, da ſonſt jedes Tages Sängerinnen durch die Fenſter fliegen würden. Der Rath gerieth in nicht