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alten Geigen. In Venedig hörte er die berühmte Sängerin Angela— i, welche damals auf dem Theatro di S. Benedetto in den erſten Rollen glänzte. Sein Enthuſtasmus galt nicht der Kunſt, allein, die Signora Angela freilich auf die herr⸗ lichſte Weiſe übte, ſondern auch wohl ihrer Engels⸗ ſchönheit. Der Rath ſuchte Angela's Bekanntſchaft, und trotz aller ſeiner Schroffheit gelang es ihm, vorzüglich durch ſein keches und dabei höchſt aus⸗ drucksvolles Violinſpiel ſie ganz für ſich zu gewin⸗ nen. Das engſte Verhältniß führte in wenigen Wochen zur Heirath, die deshalb verborgen blieb, weil Angela ſich weder vom Theater, noch von dem Namen, der die berühmte Sängerin bezeichnete, trennen oder ihm auch nur das übeltönende„Kres⸗ pel“ hinzufügen wollte.— Mit der tollſten Ironie beſchrieb Krespel die ganz eigene Art, wie Signora Angela, ſobald ſte ſeine Frau worden, ihn marterte und quälte. Aller Eigenſinn, alles launiſche We⸗ ſen ſämmtlicher erſten Sängerinnen ſey, wie Kres⸗ pel meinte, in Angela's kleine Figur hineingebannt worden. Wollte er ſich einmal in Poſitur ſetzen, ſo ſchickte ihm Angela ein ganzes Heer von Abba⸗ tes, Maeſtro's, Akademiko's über den Hals, die, unbekannt mit ſeinem eigentlichen Verhältniß, ihn als den unerträglichſten, unhöflichſten Liebhaber, der ſich in die liebenswürdige Laune der Signora nicht zu ſchicken wiſſe, ausfilzten. Gerade nach ei⸗


