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Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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gleich wieder ſchwieg. Krespel weidete ſich an mei⸗ ner Verlegenheit, ein boshaftes ironiſches Lächeln flog über ſein Geſicht. Dann wurde er aber ſehr ernſt, und ſprach mit feierlichem Tone:Junger Menſch! Du magſt mich für närriſch, für wahnſin⸗ nig halten, das verzeihe ich Dir, da wir beide in demſelben Irrenhauſe eingeſperrt ſind, und Du mich darüber, daß ich Gott der Vater zu ſeyn wähnte, nur deshalb ſchilſt, weil Du Dich für Gott den Sohn hältſt; wie magſt Du Dich aber unterfangen, in ein Leben eindringen zu wollen, ſeine geheim⸗ ſten Fäden erfaſſend, das Dir fremd blieb und bleiben mußte? Sie iſt dahin, und das Geheim⸗ niß gelöſt! Krespel hielt inne, ſtand auf, und ſchritt die Stube einige Male auf und ab. Ich wagte die Bitte um Aufklärung; er ſah mich ſtarr an, faßte mich bei der Hand, und führte mich an das Fenſter, beide Flügel öffnend. Mit aufgeſtütz⸗ ten Armen legte er ſich hinaus, und ſo in den Gar⸗ ten hinabblickend, erzählte er mir die Geſchichte ſeines Lebens. Als er geendet, verließ ich ihn gerührt und beſchämt.

Mit Antonien verhielt es ſich kürzlich in folgen⸗ der Art. Vor zwanzig Jahren trieb die bis zur Leidenſchaft geſteigerte Liebhaberei, die beſten Gei⸗ gen alter Meiſter aufzuſuchen und zu kaufen, den Nath nach Italien. Selbſt baute er damals noch keine, und unterließ daher auch das Zerlegen jeuer