Druckschrift 
Rath Krespel / von E.T.W. Hoffmann
Entstehung
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. 19 res Geſicht, und ſprach mit gedehntem ſingenden Ton: Nein, mein beſter Herr Studioſus! Damit war die Sache abgethan. Nun mußte ich noch mit ihm allerlei zum Theil kindiſche Raritäten beſehen; endlich griff er in ein Kiſtchen und holte ein zuſam⸗ mengelegtes Papier heraus, das er mir in die Hand drückte, ſehr feierlich ſprechend: Sie ſind ein Freund der Kunſt, nehmen Sie dies Geſchenk als ein theu⸗ res Andenken, das Ihnen ewig über Alles werth bleiben muß. Dabei ſchob er mich bei beiden Schul⸗ tern ſehr ſanft nach der Thür zu, und umarmte mich an der Schwelle. Eigentlich wurde ich doch von ihm auf ſymboliſche Weiſe zur Thür hinausge⸗ worfen. Als ich das Papierchen aufmachte, fand ich ungefähr ein Achtel⸗Zoll langes Stückchen einer Quinte, und dabei geſchrieben:Von der Quinte, womit der ſelige Stamitz ſeine Geige bezogen hatte. als er ſein letztes Konzert ſpielte. Die ſchnöde Abfertigung, als ich Antonien's erwähnte, ſchien mir zu beweiſen, daß ich ſie wohl nie zu ſehen be⸗ kommen würde. Dem war aber nicht ſo, denn als ich den Rath zum zweiten Male beſuchte, fand ich Antonien in ſeinem Zimmer, ihm helfend bei dem Zuſammenſetzen einer Geige. Antonien's Aeußeres machte auf den erſten Anblick keinen ſtarken Ein⸗ druck, aber bald konnte man nicht loskommen von dem blauen Auge und den holden Roſenlippen der ungemein zarten lieblichen Geſtalt. Sie war ſehr