„Ich bin ja mit Allem zufrieden, wenn ich Dich nur am Leben weiß.“
Ein Schauder erfaßte ihn jetzt, wo er nur an die Möglichkeit ihres Todes dachte, weil ſchon die leichte Ver⸗ wundung ihn faſt zur Verzweiflung brachte. Ihr flie⸗ ßendes Blut gab ihm die Beſinnung wieder zurück; er hatte nur den einen Wunſch, daß ſie am Leben bleibe; alles Uebrige kümmerte ihn nicht, mochte aus ihm nun werden, was da wolle. Hannchen ließ ihn ruhig gewähren, der Blutverluſt hatte ſie ſchwach gemacht; auch folgte natur⸗ gemäß der vorangegangenen, höchſten Anſpannung eine wohlthätige Erſchöpfung ihrer aufgeregten Lebensgeiſter. Mit bleichen aber verklärten Zügen und halb geſchloſſenen Augen lag ſie da in ſeinen Armen und an ſeine Bruſt ge⸗ lehnt, wie ein ſtilles Marmorbild; ſo hörte ſie die tauſend ſüßen Schmeichelnamen und auf die Liebkoſungen, mit denen er ſie überhäufte. Es war eine ſelige Ermattung, die ſüße Ruhe nach dem furchtbarſten Sturme, welche ſie jetzt empfand und die ihr ſo unendlich wohl that. So hätte ſie ewig bleiben mögen, hier unter den ſchattigen Bäumen, fern von der böſen Welt, von den Armen der Liebe gehalten. Nur zuweilen mahnte ſie ein zuckender Schmerz in der Schulter an ihre Verwundung, dann ent⸗ fuhr wohl auch den Lippen, welche meiſt ein ſeliges Lächeln zeigten, ein banger Seufzer und ein Schmerzenslaut.—


