Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Längſt war es Tag, aber kein Menſch in der Nähe, obgleich jetzt der Sattler ſich einen ſolchen herbeiwünſchte, um die durch fortwährende Blutverluſte erſchöpfte Geliebte an einen paſſenderen Ort zu bringen, wo ſie auch ärztlichen Beiſtand erhalten konnte.

Er ſelbſt wagte nicht, ſie zu verlaſſen, um aus der Nähe die nöthige Hülfe herbeizuholen, nicht einmal zu rufen getraute er ſich in ſeiner ſonderbaren Lage; es blieb ihm daher nichts übrig, als geduldig bei der Geliebten zu warten und ihren Schlaf zu bewachen, dem ſie zum Glück und in Folge ihrer Schwäche unterlag; ſo daß ſie wenig⸗ ſtens für kurze Zeit all ihre vergangenen und zukünftigen Leiden vergaß.

Zehntes Capitel.

Es war noch früher Morgen, als der Kaſſenbote in ſeiner Wohnung erwachte. Beim Aufſtehen fiel ſein erſter Blick auf den zurückgelaſſenen Brief der Tochter; er er⸗ kannte ſogleich ihre Handſchrift und eine düſtere Ahnung überfiel ihn, bevor er noch das Schreiben erbrach. Seine Kniee zitterten, als er zu Ende geleſen hatte; entſetzt ſtürzte er nach ihrem Schlafzimmer, um ſich von der fürchterlichen