Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Kleider nieder. Ein unendlicher Zauber war über dieſes Stück Natur in der Nähe der geräuſchvollen Hauptſtadt ausgebreitet; es wehte hier eine erquickendere Luft, ein jungfräulicher Hauch ſchien über die ſchattigen Lauben und dunklen Gebüſche ausgegoſſen, den der helle Tag ihn mit ſeinen lärmenden Beſuchern, den geputzten Damen, den dahinfahrenden Equipagen und eitlen Reitern zerſtört. Noch ſtand am Himmel die blaſſe Mondſichel und der goldene Liebesſtern, während die erſten Strahlen der Sonne bereits die ſchlanken Spitzen der hohen Fichten mit rother Glut umſtrömten, die rieſigen Fackeln glichen. Goldene Lichter irrten durch das grüne Laubgeflecht und lagerten ſich auf den Raſen, ſo daß der graue Perlenſchleier vom Thau gebildet ſich in ein funkelndes Demantgeſchmeide verwandelte. Die Vögel waren auch bereits auf den Zweigen und in ihren Neſtern wach; ſie jubilirten und ſangen dem kommenden Tag entgegen. Es war ein köſt⸗ licher Morgen; das rauſchte und jauchzte, ſtrahlte und leuchtete, als wollte ſich die Welt noch einmal dem ſcheiden⸗ den Paare in all ihrer Pracht und Herrlichkeit offenbaren, um es von ſeinem thörichten Entſchluſſe abzubringen. Jede Blume, jedes Blatt ſchien ihnen zuzurufen:„genießt und lebt!“— Sie aber hörten nicht auf die Stimme der mah⸗ nenden Natur, ihr Ohr blieb taub für ſolche Lockungen, ihr Auge blind für all den Reiz; ſie hatten ſich, und die