Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Stunde verabredet hatten, wo ſie ſich wieder treffen woll⸗ ten, um für immer vom Leben Abſchied zu nehmen.— Der Sattler begleitete ſie bis an die Ecke der Straße; weiter nahm ſie nicht ſeine Begleitung an. Dort reichte ſie ihm die Hand.

„Auf Wiederſehn!“ rief er ihr zu.

„Morgen und dann für immer,“ flüſterte ſie, die Augen zum Himmel emporrichtend.

Sie fand den Bräutigam in ihrer Wohnung vor, der ihr wegen ihres langen Ausbleibens Vorwürfe machte und empfindlich ſchien. Je näher der Hochzeitstag heran⸗ rückte, deſto offener zeigte er ſich in ſeiner wahren Geſtalt als künftiger Tyrann, ſo daß ſie in ihrem Entſchluſſe nur noch mehr beſtärkt wurde. Nur beim Anblick ihrer Eltern empfand ſie eine tiefe Bewegung; ſie war noch trauriger als ſonſt; dieſe merkten nichts und ſchoben die Art und Weiſe, wie ſie ihnen mit zitternder Stimme gute Nacht bot, auf eine zufällige Verſtimmung, ohne weiter darauf zu achten. So bald der Couſin gegangen war nnd all ihre Angehörigen im. tiefen Schlafe lagen, ſchrieb ſie heimlich einen Brief an ihre Eltern, worin ſie ihnen ihr Vorhaben meldete und im Voraus um ihre Verzeihung bat. Zu⸗ gleich erſuchte ſie dieſelben, ihre und Guſtav's Leiche auf⸗ zuſuchen und auf demſelben Kirchhof zu begraben, wo ſie den Abend vorher mitſammen zugebracht. Manche heiße