Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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neideten die Schläfer unter dem kühlen Raſen, deren Bett mit blühenden Roſen und weißen Lilien beſtellt war. Immer ſchluchzender klagte die Nachtigall, als wollte ſie mit ihren bangen Tönen alle Leiden und Schmerzen ihrer kleinen Bruſt noch einmal ausſchütten und dann an gebro⸗ chenem Herzen ſterben. Bald lauſchten die Beiden den ſchmerzlichen Melodien, bald ſahen ſie zu dem dunkelblauen Himmel empor, von dem die goldenen Sterne in zitterndem Lichte niederſchauten, das Verlangen in der Menſchenſeele weckend, ihnen nahe zu ſein. In ſolchen Momenten er⸗ liſcht die bange Furcht vor dem dunklen Jenſeits, die Bande löſen ſich, welche die Seele an dieſe Erde feſſelt; ſie ſtreift die irdiſchen Ketten ab und ſchwingt ſich frei empor zu ihrer wahren Heimath; und wie es Augenblicke giebt, wo der Glückliche ausruft: Das Leben iſt doch ſchön, ſo ruft das ſchwer beladene Herz: Der Tod iſt ſchöner.—

„Und ehe ich den Couſin heirathe,“ ſagte ſie,„lieber will ich ſterben.“

„Aber nicht allein. Ich gehe mit Dir in die Ewigkeit. Das ſchwöre ich Dir.“

Noch einmal umſchlangen ſie ſich, ſo feſt und innig, als wollten ſie zuſammenwachſen und ſich niemals mehr trennen. Jetzt wußten ſie, daß ſie einander angehörten, wenn auch nicht im Leben, ſo doch im Tode. Darauf gingen ſie, nachdem ſie für den folgenden Tag Ort und