Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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weiter zogen ſie vorüber an dunklen Hütten und glänzend erleuchteten Paläſten, an Gärten, aus denen ihnen eine luſtige Muſik entgegentönte, bis ſie zu dem ſtillen Kirchhof kamen, wo die Todten unter dem grünen Raſen ſchlum⸗ merten und die weißen Leichenſteine im Mondſchein ſchim⸗ merten. Hannchen blickte durch das eiſerne Gitter und der alte Entſchluß tauchte wieder in ihrer Seele auf.

„So möchte ich auch liegen,“ ſagte ſie leiſe, ‚„und Du an meiner Seite.“

„Wo Du biſt, will auch ich ſein,“ antwortete er, indem er ſie feſter an ſich zog.

Sie ſetzten ſich untet der blühenden Linde, welche vor dem Kirchhof ſtand, auf die ſteinerne Bank und hörten auf das ſchmelzende Lied der Nachtigall. Es war ein ſtilles Plätzchen, recht für zwei unglücklich Liebende geſchaffen; ſo ruhig und fern von all' dem Geräuſch der lärmenden Stadt, als ſäßen ſie auf einer einſamen Inſel, von allen Qualen und Sorgen des Lebens befreit. In dämmernder Ferne lag das Häuſermeer der Reſidenz von nächtlichen Schatten bedeckt; vor ihnen der Friedhof im hellen Mon⸗ denſchein mit ſeinen Gräbern und Blumen, deren Duft der laue Abendwind zu ihnen trug. Die Todten ſchienen ſie zu grüßen und ihnen zuzurufen, das Loos der Seligen und ihre Ruhe zu theilen. Eine tiefe Sehnſucht nach dieſem ewigen Frieden erfaßte die Liebenden und ſie be⸗