Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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mit hellen, lodernden Flammen in ihren Herzen auf; es bedurfte nur dieſer zufälligen Begegnung an dem einſamen Orte, um plötzlich alle früheren Gefühle wieder aufzu⸗ regen. Die wahre Liebe kann nicht ſterben, ſie lebt bis zum letzten Athemzuge, ſie ſchlummert nur, wenn man ſie todt hält und feiert ihre Wiederauferſtehung. Ein Blick, ein Wort, eine leiſe Berührung, weckt ſie aus ihrem Sarge auf und ſie erhebt ſich in neuer Kraft und in all' ihrer gottvollen Herrlichkeit. So hatten Hannchen und Guſtav jetzt noch kein Wort geſprochen und doch waren ſie ſchon ausgeſöhnt, vollkommen wieder mit einander verbunden; ſie wußten, daß ſie ſich noch immer angehörten und daß keine Gewalt der Erde ſie mehr trennen würde. Hand in Hand gingen ſie anfänglich ſtumm neben einander her; denn das Herz war ihnen ſo voll, daß die Sprache zu arm war, um ihre Gefühle auszudrücken. Wo die Lippe ſchweigt, ſpricht das Auge, wenn der Mund verſchloſſen bleibt, redet der Druck der Hand und ein Seufzer, ein leiſer Hauch gilt mehr, als alle Worte auf der Welt. So wanderten ſie neben einander her durch die ſtillen Straßen, vorbei an dem alten grauen Thurm, der ſchon viele Jahrhunderte geſehen und auf unzählige Liebende niedergeſchaut und noch ſchauen wird. Die Glockenuhr kündigte mit lauten Schlägen die Zeit; ſie achteten nicht darauf; denn ihnen gehörte die ganze Ewigkeit, die ſie jetzt vercieße. Und