Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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war, in der ſie ſich befand; auch glaubte ſie Männertritte hinter ſich zu hören. Das Herz ſchlug ihr ängſtlich in der Bruſt; es überkam ſie eine ſonſt nie gekannte Furcht, eine Ahnung, als müßte ihr irgend etwas Unangenehmes be⸗ gegnen; ſie wagte nicht, ſich umzuwenden und nach ihrem Verfolger zu ſehen. Jetzt hatte er ſie ereilt und zwei kräftige Arme hielten ſie von hinten feſt. Ein lauter Schrei entrang ſich ihrer Bruſt, als ſie einen ihr völlig fremden Mann erblickte, der noch dazu im trunkenen Zu⸗ ſtande zu ſein ſchien. Es war der gemüthliche Aſſeſſor, der ſolche nächtliche Abenteuer liebte und auf dieſe nicht eben anſtändige Weiſe Damenbekanntſchaften ſuchte.

„Wohin, mein ſchönes Kind?“ ſtammelte er mit ſchwerfälliger Zunge.„Nehmen Sie mich doch mit.“

„Laſſen Sie mich,“ rief Hannchen voll Entrüſtung, indem ſie ſich aus ſeinen Armen zu reißen beſtrebte.

Aber der Berauſchte hielt ſie nur um ſo feſter und ſuchte ſie durch ſeine ekelhaften Liebkoſungen und Ver⸗ ſprechungen zu beſchwichtigen. Er glaubte, es mit einer gewöhnlich en, leichtfertigen Dirne zu thun zu haben, gegen die er keine beſondere Rückſicht nöthig achtete. Vergebens ſah ſie ſich nach Hülfe um, der Platz war unbewohnt und keine menſchliche Seele in der Nähe. Während ſie mit dem Trunkenbold noch rang, ſchien längs der Mauer eines benachbarten Gartens ſich ein dunkler Schatten zu bewegen.