Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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gleicher Täuſchung befangen, anſchuldigte. Im nächſten Augenblick jedoch übernahm ſie ſchon ſeine Vertheidigung vor der Mutter, die mit echt weiblicher Diplomatie die Tochter gegen den früheren Geliebten aufzuhetzen ſuchte.

„Haſt Du ihn geſehen?“ fragte ſie leiſe triumphirend. „Das hätt' ich nun und nimmermehr geglaubt, aber habe ich's Dir nicht oft geſagt. Wer hat nun Recht?“

„Was geht es uns an?“ antwortete Hannchen mit trübem Lächeln.„Kann er nicht eben ſo gut wie ich, thun und laſſen, was er will?“

„Und ſo ein häßliches Frauenzimmer ſich zu nehmen,“ fuhr die Alte ſpöttiſch fort,„einen ſolchen dicken und ver⸗ wachſenen Knirps, die noch dazu ſchielt! Du haſt doch geſehen, daß ſie ſchielt. Das wird einmal eine tüchtige Wirthin abgeben, ein Auge im Keller, das andere auf dem Boden.“

„Sie muß ihm doch gefallen haben,“ antwortete Hannchen kalt und war bemüht, das ihr peinliche Geſpräch abzubrechen.

„Die und ihm gefallen,“ ereiferte ſich Frau Bauer. „Da kenne ich meine Leute beſſer; Guſtav ſagt auch: Geld! Mädel ich hab' Dich lieb! Wäre ſein Meiſter nicht ſo ein ſteinreicher Mann, ſo ging er mit der Tochter nicht heute Arm in Arm; aber freilich die Geldbeutel machen Krummes gleich und wenn es ihm nicht auf ein Paar