Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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laut aufgeſchrien hätte, doch in ihrer Einfalt nahm dieſe den plötzlichen Ausbruch ſeiner Wildheit für eine ihr zu⸗ gedachte und nur zu derb ausgefallene Liebkoſung, womit ſie ſich auch ſchnell zufrieden gab. Der Sattler ging, die Eltern grüßend, vorüber, ohne Hannchen eines Blickes mehr zu würdigen. So endete dieſe unerwartete Begeg⸗ nung, ſeine Liebe ſchien ſich i in Haß umgewandelt zu haben und Alles aus zu ſein; wie es aber in ihrem und in ſeinem Herzen ausſah, das ahnte kein Menſch in dieſem Augen⸗ blick; denn wir wiſſen oft von unſern genauſten Bekannten ſo gut wie gar nichts und laſſen uns nur von dem ober⸗ flächlichen Schein in unſerm Urtheil beſtimmen. Wo wir Freundſchaft und Liebe zu finden glauben, ſchlummert in der Tiefe nur Kälte und Abneigung, wo wir Haß und Feindſchaft ſehen, herrſcht oft die glühendſte Liebe. Das ganze menſchliche Leben iſt ein Maskenſpiel, wir täuſchen uns und Andere, hinter den Larven, welche wir der Welt zeigen, ſteckt ein anderes Geſicht; wir ſcheinen zu lachen und weinen innerlich, wir jauchzen und jubeln, während wir vor Schmerz aufſchreien möchten. Nur das göttliche Auge, welches in die Tiefen der Seele ſchaut, vor dem nichts verborgen bleibt, kennt uns arme Menſchen, die wir uns ſelber nicht einmal kennen. So glaubte auch Hannchen, daß ſie von dem Sattler gehaßt würde und von ihm verrathen ſei, während er ſie deſſelben Vergehens, in

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