Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

182

ſonſt wäre ich ſchon längſt auf und davon. Aber Deine Lage jammert mich; Du thuſt mir leid. Ich will Dir nun mein letztes Wort ſagen, dann thue, was Du wilſtt, ich waſche meine Hände in Unſchuld. Wenn ich in Deiner Haut ſtecken würde, ſo möchte ich mich keinen Augenblick beſinnen. Ich würde meinen Antheil an der Erbſchaft verkaufen und eine beſtimmte Summe für die ungewiſſe Hoffnung nehmen. Wo ſteht denn geſchrieben, daß Du den Prozeß gewinnen wirſt. Bis dahin wird noch manche Woche vergehen, vielleicht kann es noch Jahre dauern, wenn es Dir nicht gelingt, die verlangten Dokumente bei⸗ zubringen. Wovon willſt Du aber mit Deiner Familie dann leben und woher die Koſten nehmen, welche noch viele hundert Thaler betragen können.“

„Aber was wird meine Frau und was werden die Kinder dazu ſagen? Ich kann ſie doch ſo mir nichts, Dir nichts um jede Ausſicht bringen. Das wäre eine Schlech⸗ tigkeit von mir.“

„Sind ſie darum gebeſſert, wenn Du in's Schuld⸗ gefängniß wanderſt und das geſchieht, wenn Du das Geld nicht zur rechten Zeit auftreibſt. Beſſer ſind doch ein Paar tauſend Thaler, als Sitzen bis in die aſchgraue Ewigkeit. Darum nimm Vernunft an und mache mit dem Aſſeſſor das Geſchäft. Du brauchſt ja nicht die ganze Erbſchaft