172* da er Alles für wahr hielt, was man ihm ſagte. Wie oft erlebt man es nicht, daß gerade ganz vernünftige und brave Leute auf dieſe Weiſe ſich von irgend einem Schurken beſtricken laſſen, indem ihre Argloſigkeit und ehrenwerthe Geſinnung ſie die Gefahr nicht bemerken läßt. Die ge⸗ meine Pfiffigkeit trägt meiſt den Sieg über die grade Ehr⸗ lichkeit davon, weil ſie die tauſend krummen Wege und ſchmutzigen Pfade kennt und ungeſcheut einſchlägt, welche ein reiner Sinn zu betreten verabſcheut. Deshalb heißt es nicht umſonſt: Seid fromm wie die Tauben und klug wie die Schlangen. Mit der bloßen Güte kommt man nicht mehr durch die Welt, ſondern es gehört noch dazu eine tüchtige Portion menſchlicher Lebensklugheit. Dieſe mangelte freilich dem ehrlichen Kaſſenboten und deshalb mußte er auch in die Schlingen des wucheriſchen Schwa⸗ gers fallen, der vor keinem Mittel zurückſchreckte, wenn es ihn nur zum Ziele führte. Es iſt aber eine Art dämo⸗ niſche Macht, die dem Böſen anhaftet, ein hölliſcher Zauber, der das Opfer mit Verblendung ſchlägt und der meiſt nicht eher ſchwindet, bis es bereits zu ſpät iſt. Dieſer Macht war bereits der alte Bauer ſo ſehr verfallen, daß er dem Rathe des Schwagers in allen Stücken folgte und kaum noch einen Widerſpruch zu erheben wagte. Haſen⸗ fritz fand den Kaſſenboten nicht in der beſten Laune, ein Blick ſeiner pfiffigen Augen genügte ihn darüber aufzuklären.
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