Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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deſſen Rath wurde nichts mehr unternommen, kein Schritt gethan, nicht einmal eine Stecknadel angeſchafft. Der ſchlaue Schneider hatte es verſtanden, das argloſe Gemüth des ehrlichen Kaſſenboten dermaßen zu umgarnen, daß dieſer ohne ihn nicht das Geringſte that. Er beherrſchte ihn und die ganze Familie vollſtändig durch ſeinen pfiffigen Geiſt und dadurch, daß er ſich bei allen Gelegenheiten dem unerfahrenen Manne, dem es an der nöthigen Lebens⸗ klugheit fehlte, vollkommen unentbehrlich zu machen wußte. Was Haſenfritz ſagte, galt wie das Evangelium: man hörte auf ihn, als wenn ihm Perlen aus dem Munde fielen, und der gutmüthige Bauer hatte eine ſo hohe Mei⸗ nung von dem Verſtande und den guten Abſichten des Schwagers, daß er jeden Zweifel daran wie ein Verbrechen betrachtete. Es fehlte ihm ſonſt nicht an einer richtigen Beurtheilung der Menſchen und Verhältniſſe, auch war er keineswegs bei all ſeiner Gutmüthigkeit ein beſchränkter Kopf zu nennen, aber in dem einen Punkte ſchien er gänz⸗ lich mit Blindheit geſchlagen. Wie die meiſten ehrlichen Menſchen ſetzte er auch bei Andern ähnliche Geſinnungen voraus und wenn er einmal vertraute, ſo geſchah dies im ausgedehnteſten Maße ohne Beſchränken, ohne Hinterge⸗ danken. Nebenbei beſaß er noch einen hohen Grad von Beſcheidenheit und Mangel an Selbſtſchätzung; er ließ ſich leicht imponiren und von ſchönen Reden beſtechen,