Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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angezogen, daß man ſie faſt für die Haustochter halten konnte.

Böſe Zungen behaupteten, daß Herr Haſenfritz nicht umſonſt die ſchönſten Dienſtmädchen im ganzen Stadtviertel hielt, worüber er mit ſeiner Frau trotz ihrer Duldſamkeit doch zuweilen in Streit gerieth.

„Wem ſoll ich der Herrſchaft melden?“ fragte das Mädchen, den Kaſſenboten von oben bis unten muſternd.

„Ich bin der Bruder von Frau Haſenfritz,“ antwortete er haſtig.

Das Mädchen ſchüttelte verwundert den Kopf, als glaubte ſie nicht recht an ſeine Worte; daran kehrte er ſich nicht; er ging, ohne ſie weiter zu beachten, an ihr vorüber und trat in das Zimmer, wo er die ganze Familie noch beim Frühſtück traf. Dieſelbe beſtand aus dem Herrn Haſenfritz, ſeiner Gattin und einem hoffnungsvollen Sohn von einigen zwanzig Jahren. Der Herr Schwager war ein kleiner, unterſetzter Mann mit einem ſchwammigen, rothen Geſicht, worin zwei pfiffige Augen unſtätt leuchteten. Ein verſchmitzter Zug um den ſinnlich aufgeworfenen Mund und eine gewiſſe Aufgeblaſenheit zeigten gleich, welch Geiſteskind er war, einer jener bürgerlichen Parvenüs, deren Charakter aus einer Miſchung von Schlauheit und Hochmuth beſteht, grob gegen Niedrigſtehende und Unter⸗