Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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auf der Straße und auf dem Wege zu der Schweſter, welche in ziemlicher Entfernung wohnte. Schon zehn Jahre lang hatte er ſie nicht geſehn, obgleich ſie in derſelben Stadt wohnten. Die Schuld lag nicht an ihm, ſondern an dem Schwager, den reichgewordenen Schneidermeiſter Haſenfritz, welcher voll Hochmuth auf die armen Verwandten ſeiner Frau herniederſchaute, ſeitdem er zu Geld gekommen war. Die Art und Weiſe, wie er ſein Vermögen erworben hatte, war auch nicht die ehrenwertheſte und ſtimmte ganz und gar nicht mit der tüchtigen Geſinnung des ehrlichen Kaſſen⸗ boten. Meiſter Haſenfritz hatte ſich mit ein Paar Thalern in der Hauptſtadt niedergelaſſen, wo er bald ſich eine gewiſſe Kundſchaft unter der leichtſinnigen Jugend zu erwerben wußte, weniger durch die Gediegenheit und Trefflichkeit ſeiner Arbeit, als durch den Kredit, welchen er den jungen Leuten eröffnete. Dafür berechnete er aber auch ſeine Pro⸗ zente und ein Rock kam bei ihm immer um einige Thaler theurer zu ſtehn; außerdem aber lieferte er möglichſt ſchlechte

3 Waare, ſo daß ſeine Kleider ſchnell abgetragen waren.

Weil er aber borgte, hatte er immer Zulauf und wenn erſt ein Student, ein angehender Juriſt oder Arzt angebiſſen hatte, ſo kam er auch nicht ſo leicht wieder los. Er ſpeku⸗ lirte auf die augenblickliche Verlegenheit, ließ ſich monat⸗ liche Abſchlagszahlungen gefallen und ſchmierte ſeine Kunden von Neuem an, ſo daß zu der alten Schuld immer friſche