Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Frühſtück auf dem Tiſche ſtand. Haſtig goß er den heißen Kaffee hinunter, daß er ſich faſt damit die Lippen ver⸗ brannte. Dahin war die ſchöne Sonntagsſtimmung und die Kinder ſchauten verwundert auf das veränderte Benehmen des Vaters, da ſie natürlich keine Ahnung von dem hatten, was vorgefallen war. Sonſt pflegte er gleich am Morgen mit ihnen in die Kirche zu gehn und die Predigt anzu⸗ hören.

„Gehen wir denn nicht in die Kirche?“ fragte der Jüngſte.

„Die Mutter wird Euch begleiten,“ antwortete der Kaſſenbote faſt ärgerlich.„Ich komme vielleicht nach, wenn ich noch Zeit habe.“

Jungen und Mädchen ſahen ſich mit großen Augen gegenſeitig an. Das war noch niemals vorgekommen, zum erſten Mal in ihrem Leben geſchah es, daß der Vater an einem Sonntag die Kirche verſäumte und davon wie von einer gleichgültigen Sache ſprach. Das machte einen tiefen Eindruck auf die kleine Geſellſchaft, ſie ſteckten die Köpfe zu⸗ ſammen undziſchelten heimlich untereinander. Ihmaber klang ihre Frage wie ein ſtiller Vorwurf, daß er über die irdiſchen Angelegenheiten den himmliſchen Ruf überhören wollte. Die erwachende Leidenſchaft war jedoch ſtärker als das mahnende Gewiſſen. Ohne ſich länger aufzuhalten nahm er Hut und Stock; im nächſten Augenblick ſchon ſtand er