Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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beneidenswerthen Empfindung eines geplagten Kaſſenboten gar keine Vorſtellung machen; dafür kennt er auch die un⸗ ausſprechliche Wonne nicht, mit der heute der alte Bauer endlich langſam, äußerſt langſam ſein Bett verließ und ſich noch langſamer anzog, immer dazwiſchen mit der Gattin redend, der er die Begebenheiten der ganzen Woche erzählte, für die er bis jetzt gar keine Zeit noch hatte. Mit welcher Behaglichkeit nahm er nicht ſein Raſirzeug hervor, um ſich den Wochentagsbart abzunehmen. Bedächtig wurde das Meſſer auf dem ledernen Streichriemen gewetzt und eben ſo bedächtig die Seife zu Schaum geſchlagen. Dann ſtellte er ſich vor den Spiegel, vorſichtig eine Stelle nach der andern abkratzend, bis ihm ſein Geſicht untadlig rein und glatt, förmlich verjüngt aus dem Glaſe entgegen⸗ ſchaute. Unterdeß hatte die Alte die Morgenhaube auf⸗ geſetzt und war in die Küche gegangen, um nach dem Früh⸗ ſtück zu ſehen; ſie fand bereits Hannchen mit der Bereitung deſſelben beſchäftigÄt. Das junge Mädchen ſchaute träume⸗ riſch in die Gluth des Feuers und dachte an den Sonntag und wie ſchön es ſei, daß der Sattler nicht zu arbeiten brauche und den Nachmittag ſie abholen werde zu einem Gange durch die Stadt, oder gar in's Theater, das ſie leidenſchaftlich liebte, aber aus naheliegenden Gründen nur ſelten beſuchen durfte. Auch die Kinder waren bereits wach und freuten ſich, weil ſie nicht in die Schule zu gehen