Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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brauchten und keine Arbeit zu machen hatten, ſondern tüchtig herumlaufen und die verſeſſenen Glieder ordentlich ſtrecken konnten. So war der Sonntag, der liebe Sonntag Allen ein willkommener Gaſt, für Jung und Alt ein wahrer Erlöſer aus dem Joche der Werkeltagsbeſchäftigung, ein Freudenbringer und Segenſpender in des Wortes ſchönſter Bedeutung. Er nahm den Müden die Laſt von den Schul⸗ tern, dem Schüler die Schreibfeder und das Buch aus den Händen, der armen Nätherin die fleißige Nadel; zu den Gebückten ſagte er, ſteht auf, zu den Beladenen, richtet euch empor und ſelbſt den Aermſten faßte er bei der Hand und führte ihn zur Kirche, wo er die Worte des Troſtes und des Heils anhörte. Er heißt nicht umſonſt der Ruhetag des Herrn, denn er gehört Gott an, dem Gott, der nicht will, daß der Menſch fortwährend ein Sklave der Arbeit ſei, der ſich freut, wenn ſich ſeine Kreaturen freuen und wenn ſie aufſehen von dem Treiben der Erde, von der ſchmutzigen Werkſtätte des täglichen Bedürfniſſes zu dem lichten Himmel und der reineren Aetherhöhe. Auch die große Stadt hat ihren Sonntag und ergötzt ſich daran; dann ſchweigt beſonders am Morgen das laute Getümmel und der geſchäftige Lärm; die Straßen und Häuſer ſehen ordentlich andächtig und fröhlich drein mit ihren hell ge⸗ putzten Fenſterſcheiben und friſch gewaſchenen Treppen. Aus den Küchen dringt ein angenehmer Bratengeruch,