Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

39

Drittes Capitel.

Auf die ſtürmiſche Nacht war ein ſchöner Morgen gefolgt, ein wahres Sonntagswetter, welches den nahenden Frühling mit allen ſeinen Schönheiten bereits ahnen ließ. Die goldene Sonne leuchtete hell und freundlich, am blauen Himmel hatte der Wind mit ſeinem gewaltigen Beſen alle dunklen Schnee⸗ und Regenwolken weggefegt; nur die naſſen Pflaſterſteine erinnerten noch an den geſtrigen Auf⸗ ruhr der Natur, aber auch ſie begannen zu trocknen und gegen Mittag ſahen die Straßen ſo rein, als wären ſie eben erſt für den Sonntag gefegt worden. Im März und April kommt Einem die Natur oft wie eine gute Hausfrau vor, welche einen vornehmen Gaſt erwartet, oder ein Feſt geben will, ſie räumt deshalb das ganze Wintergerumpel auf, wäſcht und ſcheuert ſo manchen lieben Tag, bis der ganze Unrath, der ſchmutzige Schnee, die Eisſtücke ge⸗ ſchmolzen ſind. Dabei geht es freilich etwas drüber und drunter her; auch macht ſie oft ein bitterböſes Geſicht, grade wie die Frauen, wenn ſie große Wäſche haben. Dafür lächelt ſie aber auch dazwiſchen, wenn ein Stück

Arbeit beendet iſt, und ihr ganzes himmliſches Geſicht

ſtrahlt vor Freude und Wonne, wenn ſie an ihren lieben Beſuch, den Junker Frühling denkt, der ſich vorläufig noch