Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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„Morgen kannſt Du Dich einmal ordentlich aus⸗ ruhen. Es iſt ja Sonntag; da kommt es nicht darauf an, ob wir eine Stunde früher oder ſpäter aufſtehen. Komm, Väterchen!“

Hannchen blieb noch zurück; ſie räumte das Abend⸗ brod, Teller und Glüſer fort, auch das Zeitungsblatt ſteckte ſie hinter den Spiegel, wo der Vater ſeine Papiere zu verwahren gewohnt war, damit er es am andern Morgen gleich finden ſollte. Nebenbei dachte ſie an den geliebten Guſtav, an ihren Sattler, und freute ſich auf den Sonn⸗ tag, wo er gewöhnlich zu kommen und ſie zu einem Spa⸗ ziergang abzuholen pflegte. Das hielt ſie aber nicht ab, recht müde zu ſein und ſich nach der Ruhe des Bettes zu ſehnen, denn wenn man den ganzen Tag tüchtig gearbeitet hat, ſo iſt der Schlaf Einem doppelt willkommen. Sie nahm die Lampe, um in die Kammer zu gehen, wo ihr Bett ſtand. In der vor Kurzem noch ſo lauten Stube war es jetzt mäuschenſtill und dunkel, nur der Mond ſchien durch die Fenſter und beleuchtete mit ſeinem ſanften Licht die ruhenden Schläfer, die runden Kindergeſichter und die glücklichen Alten.