Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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am Sonntag weiter zu leſen. Jetzt wäre es doch nicht möglich geweſen, denn die Jungen und Mädchen waren nicht mehr zu bändigen. Der bloße Geruch des unge⸗ wohnten Getränkes verſetzte ſie in einen vollſtändigen Aufruhr und als die Mutter die kleinen Gläſer ihnen voll goß, da war kein Halten mehr. Das kleine Völkchen ge⸗ rieth ganz außer Stand und Band, ſie ſtießen mit den Gläſern zuſammen, ſie jubelten und jauchzten. Von der allgemeinen Luſt wurden auch die Alten angeſteckt; der Kaſſenbote und ſeine Frau ſahen ordentlich verjüngt aus, ihre Wangen wurden roth vom Punſch und noch weit mehr von der Freude über die geſunden, fröhlichen und wohlgerathenen Kinder.— Das war ein ſchöner, präch⸗ tiger Familienabend; die Glocke ſchlug bereits elf Uhr, als die Mutter zum Schlafengehen die Kinder wiederholt er⸗ mahnte. Arm in Arm zogen ſie davon, lachend und ſcher⸗ zend; der Kaſſenbote ſah ihnen mit zufriedenen Blicken nach.

„Es ſind gute Kinder,“ ſagte er, ſeiner Alten wie zum Dank die Hand reichend.

„Ich möchte auch mit keinem Könige tauſchen,“ fügte ſie hinzu.„Gottlob! wir haben alle Urſache zufrieden zu ſein.“

„Das bin ich auch,“ bekräftigte er.„Ich wünſche es un niemals beſſer. Aber es iſt Zeit, daß wir zu Bette gehen.“