Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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fältig mit der größten Gewiſſenhaftigkeit geleſen. Es war gleichſam eine Schadloshaltung für die lange Entbehrung, mit dem Wunſche verbunden, doch auch Etwas von der Welt da draußen zu erfahren und ſich die nöthige Wiſſen⸗ ſchaft zu verſchaffen. Für viele Leute aus dem Volke iſt der Krämer zugleich auch der Bibliothekar, welcher durch fliegende Blätter den Keim der Bildung ausſtreut, wie gewiſſe Inſekten und Vögel den befruchtenden Samen ver⸗ breiten helfen. Solch ein Weisheitskorn war für den Kaſſenboten jetzt das Zeitungsblatt, in welches er ſich der⸗ maßen vertiefte, daß er faſt auch ſeinen Punſch vergaß. Während er las, wurde das kleine Stübchen immer größer, die Wände öffneten ſich und herein drang die bunte, fremde Welt. Könige und Kaiſer im glänzenden Staate, fremde Völker in bunter Tracht, rieſige Schiffe auf dem hohen Meer, mit Stürmen und Wellen kämpfend, brauſende Eiſenbahnzüge, von irgend einem ſchrecklichen Unfall be⸗ troffen, Staunen erregende Erfindungen, Schauſpieler, Tänzerinnen, Selbſtmörder und Verbrecher aller Art wir⸗ belten, in ſchwarze Lettern verwandelt, vor ſeinen Augen und ſchlangen um den Leſer ihren Zauberkreis. Es war eine magiſche Gewalt, die ihn feſthielt und nur ungern legte er das Blatt aus ſeinen Händen, weil Hannchen jetzt den dampfenden Punſch brachte. Sorgfältig faltete er die Zeitung zuſammen und legte ſie bei Seite, um ungeſtört