Teil eines Werkes 
3. (1858) Die Erben / von Max Ring
Entstehung
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Hauseigenthümerin geworden; als die Thür ſich öffnete und der längſt erwartete Gatte vor ihr ſtand. Sie hatte ihn über den Kauf nicht kommen gehört, ſo ſehr war ſie davon in Anſpruch genommen worden. Jetzt mußte ſie ſich ordentlich beſinnen und zuſammennehmen, um zu wiſſen, wo ſie war. Sie befand ſich noch immer in der kleinen, engen Stube mit dem gelben Anſtrich und dem blauen Ofen, der eine ganz angenehme Wärme verbreitete. In der Mitte ſtand der wackelnde Tiſch und ringsherum ſaßen die Kinder bei ihrer Arbeit, oder ſie ſaßen vielmehr nicht, denn ſie waren aufgeſprungen und umringten jetzt den Vater. Hannchen war bemüht, ihm den naſſen Rock vom Leib zu ziehn, der die deutlichen Spuren ſeiner wäſſrigen Exiſtenz auf dem Boden zurückließ, zwei Mädchen ſchleppten den be⸗ quemen Schlafrock herbei; die Jungen Pantoffeln und Pfeife ſammt Tabakskaſten. Kein Sultan, Papſt oder Fürſt konnte beſſer bedient ſein als der arme Kaſſenbote und was für Diener hatte er? Da war zuerſt die Garderobe⸗ meiſterin Johanna, auch Hannchen genannt, ſchön wie eine Houri, oder wie eine blühende Roſenknospe mit ihren blonden Flechten um die weiße Stirn, mit den friſchen Wangen, den kleinen Grübchen darin, dem feinen, kecken Näschen und den ein wenig aufgeworfenen, ſchwellenden Lippen, welche ſüß und roth wie Kleeblüthe ausſahen; ferner zwei Zofen, welche ihrer Schweſter wie Miniaturbilder