„Spielſt Du denn ein Loos?“ fragte Hannchen ver⸗ wundert.
„Noch nicht, aber wenn Du nicht plaudern willſt, werd' ich Dir was anvertrauen. Ich habe ſchon drei Thaler zurückgelegt und wenn die nächſte Ziehung kommt, läßt mir die Frau Korbmacherin ein Sechszehntel ab, ihr
iſt ein Viertel allein zu viel. Ich habe ſchon berechnet, wie viel auf unſer Theil kommt, wenn wir das große Loos ge⸗ winnen. Denke nur, es macht faſt zehntauſend Thaler; da⸗ mit kann man ſchon was anfangen.“
„Freilich! Das wäre eine ſchöne Sache,“ bemerkte das holde Hannchen mit einem halb unterdrückten Seufzer. Der Seufzer galt einem Abweſenden und zwar einem jungen Manne von ungefähr vier und zwanzig Jahren mit einem dunklen Lockenkopfe, einem ſchwarzen Schnurbart und treuen braunen Augen, der die Ehre hatte, ein weitläufiger Anverwandter der Familie Bauer zu ſein. Hannchen war ſo gut wie verſprochen mit dem Vetter, welcher den Namen Guſtav Rath führte, aber an Hochzeit war noch lange nicht zu denken und zwar aus dem ſehr einfachen Grunde, weil Beide nichts hatten und man bei aller Liebe doch nicht von der Luft leben kann. Zwar hatte der Geliebte das Hand⸗ werk eines Sattlers erlernt; auch galt er für einen tüchtigen Geſellen, aber zum Meiſterwerden da gehört Geld und beſonders in einer großen Stadt, wo die Wohnungen, das
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