13
Beſorgniſſe einflößte; ſie vermochte ſich kaum mehr von dem alten Lehnſtuhle zu erheben, auf dem ſie gewöhnlich ſaß, aber mit zitternder Hand ſtickte ſie noch immer an einer Arbeit, welche ſie mit der verſtorbenen Schweſter be⸗ gonnen und die ſie wie Penelope immer wieder auftrennte, um ſie immer von Neuem wieder anzufangen. Nur auf die wiederholte und dringende Mahnung des Advokaten entſchloß ſie ſich endlich, einen Arzt und eine Wärterin zur Pflege anzunehmen; ſie war ſo ſehr des Umganges mit Menſchen entwöhnt, daß ſie dieſe ihr aufgedrungenen Per⸗ ſonen nur duldete, ohne mit ihnen in irgend eine nähere Berührung zu treten. Der Arzt kam und ging wieder, wenn er ſeine Recepte verſchrieben hatte, indem er im Stillen das Honorar berechnete; die Wärterin ſaß an ihrem Bette und pflegte ſich weit mehr noch, als die Kranke, welche ſie als eine Art Blödſinnige anſah, auf die man keine beſondere Rückſicht zu nehmen brauchte. Kein Freund, kein Verwandter erſchien an dem Bette des armen Fräuleins; ſie lag einſam, verlaſſen; keine liebevolle Hand reichte ihr den erfriſchenden Trank und ſchuf ihr die kleinen Erleichterungen, welche ſelbſt das größte Leid minder drückend empfinden laſſen. Es giebt wohl nichts Trauri⸗ geres auf der ganzen Welt, als ein ſolches Krankenlager, das nur von fremden und theilnahmloſen Perſonen um⸗ ſtanden wird. Welche bange Tage und ſchauerliche Nächte


